Lieber Assistenzarzt,
bitte vertrau mir. Ich weiß, was ich tue. Doch, doch. Ich mache das lange genug, um von mir behaupten zu können, dass ich meine Arbeit verstehe. Und vor allen Dingen lange genug, um behaupten zu können, dass ich die Arbeit anderer respektiere. Du musst also nicht im Halbstundentakt anrufen und fragen, wie es denn steht. Ich werde dir nämlich keine Note für deine Arbeit geben. Ich werde sie lediglich überarbeiten. Nein und das heißt nicht, dass ich alle deine Erkenntnisse über den Haufen werfen und stattdessen meine Sicht der Dinge anbringen werden. Das darf ich nämlich gar nicht, weißt du?
Danke, es ist nicht nötig, dass du mich besuchen kommst, damit wir die wichtigen Passagen nochmal durchsprechen können. Dazu habe ich keine Zeit und ich hoffe doch schwer, du auch nicht. Denn du bist ja Arzt (wenn auch nur einer mit einem Assistenten davor, aber ich will mal nicht so sein).
Gespräche über “In der heutigen Zeit macht man das ganz anders” führe ich grundsätzlich nicht. Auch keine Gespräche über wissenschaftliche Standards und deine Auffassung von Rechtschreibung. Wir gehen immer gern und sehr bemüht auf die Wünsche unserer Kunden ein. Das beinhaltet aber nicht, dass wir orthographischen Unsinn übernehmen, nur weil du denkst, das muss so sein.
Nein, nach Feierabend bin ich nicht mehr im Büro. Und auch am Wochenende nicht. Was du da machst, ist mir, ehrlich gesagt, wurscht. Ich bin am Wochenende nicht zu erreichen. Auch nicht für wichtige Fachfragen. Und nein, in anderen Büros ist das selbstverständlich nicht anders. Die gehen abends auch nach Hause.
Dass du immer sehr im Stress bist und noch dazu höchst akkurat, tut mir leid. Das behindert dich sicher sehr in deinem Alltag. Aber das erzählst du bitte einem Psychologen und nicht mir.
Dein Text ist zum Termin fertig. Vorher nicht. Wenn du hier nochmal anrufst, verschiebe ich den Termin aber vielleicht eine Woche nach hinten. Oder zwei. Denk mal drüber nach.
Herzliche Grüße,
Frau Müller.


Der Nerd-Witz zum Wochenende.
